Was haben eine Musikschule, eine mittelalterliche Kapelle und eine Baronin aus dem frühen 20. Jahrhundert gemeinsam? Sie alle erzählen Geschichten über Orte, Menschen und darüber, was uns als Gesellschaft wichtig ist. Am Tag des Denkmals stand wieder ein vielfältiges Programm zur Auswahl.
Seinen Ursprung hat die europaweite Initiative in Frankreich, wo 1984 erstmals ein „Tag der offenen Denkmäler“ stattfand. 1991 rief der Europarat die European Heritage Days ins Leben. Österreich war 1995 erstmals mit dabei, seit 1998 findet die österreichweite Beteiligung statt. Seither lädt das Bundesdenkmalamt jedes Jahr am letzten Sonntag im September dazu ein, historische Orte neu zu entdecken – vielfach auch solche, die sonst nicht oder nur eingeschränkt zugänglich sind. 2026 stand der Tag unter dem Motto „Denkmale: Wert für alle.“ mit dem Ziel aufzuzeigen, wie stark wir alle als Gesellschaft von Denkmälern profitieren.
Musik, wo einst das Rathaus stand
Wir beginnen unseren Tag in Feldbach. Nach aufwendigen Sanierungen haben hier Rathaus und Musikschule die Gebäude getauscht. Während das Rathaus in der ehemaligen Villa Hold bereits im Vorjahr zum Tag des Denkmals geöffnet hatte, gibt es in diesem Jahr eine Führung durch die neue Musikschule. Ursprünglich standen an der Stelle der heutigen Musikschule zwei Bürgerhäuser. Diese wurden um 1820 bereits als Rathaus adaptiert. Zu der Zeit war es üblich, dass der lokale Arzt, Apotheker oder Kaufmann gleichzeitig als Bürgermeister fungierte. Über die Jahre wurde das Haus immer wieder umgebaut. Bei der, durch das Bundesdenkmalamt begleiteten, Sanierung kamen nun unter anderem alte Gewölbegänge und Deckenmalereien zum Vorschein.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Josef Ober, starten wir ein spannende Führung mit vielfältigem Input: Robert Schmidt, Leiter der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Feldbach, Silvia Hudin vom Landeskonservatorat Steiermark und Sascha Krobath, Leiter der Musikschule Feldbach führen gemeinsam durch das Gebäude und berichten aus unterschiedlichen Perspektiven über die Umgestaltung und Adaptierung des Gebäudes.
Aus architektonischer Sicht ist der gänzlich neu gestaltete Innenhof unser Highlight der Musikschule Feldbach. In der Stadt Feldbach gibt es generell wenige großflächige Innenhöfe. Hier wurde die Gelegenheit genutzt und ein durchdachter Platz für Veranstaltungen im Freien gestaltet. Die Ausführung wurde gemeinsam mit dem Künstler Andreas Stern realisiert. Er gestaltete unter anderem eine musikalische Weltkugel direkt im Foyer, die als absoluter Blickfänger und Anziehungspunkt fungiert. Der Innenhof wurde von ihm mit metallenen Gestängen eingerahmt, die grün bewachsen und durch die Bewegung im Wind an einen Bühnenvorhang erinnern.
Neben der künstlerischen Interpretation erfahren wir auf dem Rundgang viel zu den besonderen akustischen Vorgaben. Welche Instrumente können gut in benachbarten Räumen spielen? Wofür braucht es Sonderlösungen? Wie kann moderne Technik in einem alten Gebäude einziehen? Musik, die über KI erzeugt wird, ist ebenfalls ein Thema, genauso wie die Gestaltung einer Bühne, die für Outdoor und Indoor Veranstaltungen funktioniert. Zum Abschluss führt die kurzweilige Tour in jenen Proberaum, in dem, versteckt unter vielen Schichten Farbe, Deckenmalereien gefunden wurden. Die Herangehensweise der Stadt, die Interpretation der Malereien und die Überlegungen seitens Denkmalamts sind spannender Schlusspunkt.
Gamlitz: Rund um die Kreuzkapelle
Das Programm zum Tag des Denkmals führt uns weiter an die Südsteirische Weinstraße. Die Gemeinde Gamlitz ist stark geprägt vom Weinbau. Im Ortszentrum steht die Kreuzkapelle, die zu den ältesten Gebäuden des Weinorts gehört. Rund um den sakralen Bau wurden bei Ausgrabungen Zeugnisse von alten Bestattungs- und Glaubenslebens freigelegt. Der mittelalterliche Bau war ursprünglich ein Karner, also ein Beinhaus, und wurde später zu einer Kapelle umgebaut. Archäologische und bauhistorische Untersuchungen lassen sogar vermuten, dass an dieser Stelle bereits ein noch älterer sakraler Bau bestanden haben könnte.

Auf einem kleinen Rundgang rund um die Kapelle werfen wir einerseits einen Blick auf die spannenden Ausgrabungen und können andererseits gleichzeitig auch auf die Entwicklung ds Ortes zurückblicken. Das heutige Gesicht der Südsteiermark ist stark von Wein und Landschaft geprägt, die Wurzeln der Region reichen aber wesentlich weiter zurück.
Auf den Spuren der Baronin Lutteroth
Zum Abschluss fahren wir nach Ehrenhausen. Der Bahnhof ist Ausgangspunkt für einen besonderen Rundgang. Die Geschichte der Baronin Emma Freifrau von Lutteroth, der ersten Ehrenbürgerin von Ehrenhausen, wird aufgegriffen und anschaulich vor Ort vermittelt. Vorbei an ihrer bekannten Sommerresidenz, historischen Villen und dem Emma-Brunnen spazieren wir hinauf zum Friedhof.

Behutsam begleitet durch den Architekten Manfred Oswald und den Altbürgermeister Gerhard Stingel lernen wir die Hintergründe zur beliebten Wohltäterin kennen. Geboren in Padua, lernte sie in Triest ihren späteren Ehemann kennen. Hermann von Lutteroth war Bankier, der unter anderem an der oberen Adria wirkte. Über den Hafen von Triest wurden zur damaligen Zeit alle Güter der Monarchie verschifft, es war die Hochblüte der Stadt.
Der lebendige Erzählstil auf dem Rundgang fesselt uns und wir fühlen uns direkt in der Zeit zurück versetzt. Wir hören über die namhaften Persönlichkeiten, die im Salon der Lutteroths ein und aus gingen, über die Munkeleien zur Liebschaft zwischen der schönen Baronin und dem ehrenhaften Kommandanten Tegetthoff und die Bedeutung der bereits ansässigen Adelsfamilien für die Niederlassung von Emma von Lutteroth in Ehrenhausen.
Im Laufe des Jahres wurde die neogotische Grabanlage der Baronin auf dem Friedhof von Ehrenhausen generalsaniert. Ihre Ehemann wurde im fernen Deutschland bestattet. Er war Protestant und die geweihten Gräber in der Südsteiermark ausschließlich den Katholiken vorbehalten. Ein stimmiger Rundgang, auf dem wir viel Neues erfahren durften.
Denkmale: Wert für uns alle
Drei Stationen, drei unterschiedliche Zugänge. Ein facettenreicher Tag für uns, aus dem wir neues Wissen und veränderte Perspektiven mitnehmen. Danke für diese wertschätzende Initiative!







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