Ein strahlend blauer Himmel, ein goldener Herbsttag, sanfte Hügel, die sich bis zum Horizont ziehen – das sind die Zutaten für unseren Erkundungstag in der Südsteiermark. Unser Ziel ist die Remschniggalm, die südlichste Alm Österreichs, auf einer Seehöhe von 740 Metern.
Wallfahrtskirche St. Pongratzen: Wo unsere Wanderung beginnt
Wir starten unsere Wanderung unterhalb der Wallfahrtskirche St. Pongratzen. Schon bei der Ankunft spüren wir den besonderen Charakter dieser Gegend. Wiesen, Wälder, Weingärten und kleine Siedlungen prägen das Landschaftsbild. Gutes Schuhwerk, ausreichend Trinkwasser und eine dem Wetter angepasste Kleidung gehören selbstverständlich dazu. Die Südsteiermark wirkt auf den ersten Blick sanft und gemütlich, die Höhenunterschiede sind aber nicht zu unterschätzen. Intensive Auf- und Abstiege, wechselnder Untergrund und längere Passagen ohne Einkehr machen eine vernünftige Tourenplanung auch hier wichtig.

Unsere Route führt uns entlang des Grenzpanoramawegs, der in diesem Abschnitt der Weitwanderroute 03 folgt. Diese verbindet Bad Radkersburg im Südosten der Steiermark mit Sillian in Osttirol und durchquert dabei höchst unterschiedliche Landschaftsräume Österreichs. Auf der gesamten Strecke geht es immer wieder dies- und jenseits der Grenze dahin. Während die Grenzen auf der Landkarte klar eingezeichnet sind, merken wir hier, in der Natur, kaum etwas von der Trennung zwischen Österreich und Slowenien. Und doch erzählt der Grenzverlauf eine sehr bewegende Geschichte.

Die enge Bindung zwischen Steiermark und Slowenien
Während wir am Grenzkamm unterwegs sind, ist uns bewusst, wie sehr sich die Bedeutung dieser Landschaft im Lauf der Geschichte verändert hat. Die unmittelbare Nähe zum Nachbarland bedeutete lange Zeit nicht automatisch Begegnung. Vielmehr konnte die Grenze den Alltag der Menschen, ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten und ihre persönlichen Beziehungen entscheidend beeinflussen. Wege, die heute zum Wandern einladen, lagen in einem Grenzraum, der politisch sensibel und in dem Bewegungsfreiheit keineswegs selbstverständlich war.
Mit dem Beitritt Sloweniens zum Schengen-Raum öffnete sich der Grenzraum und neue Möglichkeiten für Begegnungen, wirtschaftliche Zusammenarbeit und einen gemeinsamen Tourismus taten sich auf. Am Wanderweg wird diese Entwicklung direkt erlebbar. Wir stehen mit einem Fuß in Österreich, mit dem zweiten in Slowenien – und sehen vor allem eine gemeinsame Landschaft.

Die Wälder, die Wiesen und die Bergrücken halten sich nicht an politische Linien. Auch regionale Traditionen, kulinarische Einflüsse und familiäre Verbindungen lassen sich nicht einfach durch eine Staatsgrenze voneinander trennen. Der Grenzpanoramaweg macht diese Veränderung auf besonders schöne Weise sichtbar. Er lädt uns ein, die Grenze nicht als Hindernis, sondern als verbindendes Element einer vielfältigen europäischen Region zu erleben.
Ziel der Altenbachklamm und gesegnet mit einem traumhaften Panorma: der Aussichtspunkt Tertinek
Was wäre eine gelungene Wanderung in der Steiermark ohne eine genussvolle Rast? Am Aussichtspunkt Tertinek muss man verweilen, der Blick schweift von hier über weite Teile der Steiermark. Auch wir halten ein, ordnen Erhebungen und Ortsnamen zu, bevor wir uns mit einer kräftigen Frittatensuppe für den weiteren Weg stärken. Die Sonne ist so intensiv, dass wir gut etwas Sonnencreme vertragen hätten.
Zufrieden gehen wir weiter. Vor uns teilt sich der Weg: links geht es zum oberen Ende der Altenbachklamm, die so steil ist, dass sie tatsächlich nur von unten nach oben begangen werden sollte. Rechts führt der Weg weiter bergauf, durch ein kurzes Waldstück und hinaus auf eine stimmungsvolle Lichtung. Ein kleines Stück weiter säumen Kastanienbäume den Weg. Die Früchte sind gerade reif und wir sammeln einige zum Kastanienbraten am Abend ein. Im weiteren wechseln sich Waldpassagen mit offenen Stellen, an denen sich die Aussicht in die Ferne hin öffnet.

Weiter zur Remschniggalm: Wandern am grünen Grenzkamm
Der Grenzpanoramaweg verläuft in diesem Gebiet über weite Strecken entlang des Grenzkamms. Immer wieder wandern wir ein Stück auf slowenischer Seite dahin. Die markanten, weißen Grenzsteine leuchten in der Herbstsonne. Bei guter Fernsicht reicht der Blick im Süden bis zum Pohorje-Gebirge.

Die Remschniggalm bildet einen wunderbaren Abschluss unserer Erkundung. Hier oben zeigt sich die Südsteiermark von einer ungewohnten Seite: weniger Weinberge, dafür ausgedehnte Waldflächen und offene Almwiesen mit ausgedehnten Weideflächen. Auf der Alm ist die Ruhe der Landschaft schön zu spüren. Wir kehren erst ein, bevor wir die unterschiedlichen Wegeführungen genauer erkunden und uns schließlich auf eine genussvolle Variante festlegen.
Ambitionierte Gäste wandern von hier weiter bis zur Unterkunft am Weingut Moser, dem höchst gelegenen Weingut der Steiermark. Der Weg führt über offenes Gelände und schließlich durch dichte Weingärten mit dem berühmten Panorama der Südsteiermark.

Südsteiermark anders
Der Grenzpanoramaweg bietet die Möglichkeit, die Region aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Wir erleben nicht nur eine wunderschöne Landschaft, sondern erzählen als Wanderbegleitung unterwegs auch von der Geschichte der Grenze und vermitteln die Bedeutung des europäischen Miteinanders für regionale Identitäten.



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